Annäherungslinien und verborgener Druck
Druck steckt nicht nur in der Hand, im Seil, in der Stimme oder im Werkzeug. Druck kann im Weg verborgen sein. Ein Mensch kann ruhig gehen und dennoch Druck erzeugen, indem er eine Linie wählt, die dem Pferd Möglichkeiten verschließt.
Pferde deuten Bewegung im Raum. Der Weg ist wichtig.
Gerade Linien sind nicht neutral
Eine direkte Linie auf Kopf oder Schulter kann sich für den Menschen klar anfühlen und für das Pferd intensiv. Das Pferd muss vielleicht rasch entscheiden, ob es bleibt, sich wendet, weicht oder geht. Versperrt der Mensch zudem einen Weg zur Herde, zu einem Tor, zum Wasser oder zu offenem Raum, wird die Annäherung mehr als eine Begrüßung. Sie wird zu räumlichem Druck.
Eine gekrümmte Linie kann diesen Druck verringern, weil sie nicht so scharf auf das Pferd zielt. Vor dem Pferd anzuhalten, ehe es seine Haltung verändert, kann ihn weiter verringern. Der Mensch ist noch anwesend, kommt aber nicht länger wie eine Frage an, die sofort beantwortet werden muss.
Engstellen verstärken alles
Torwege, Ecken, schmale Pfade, Unterstände, Futterbereiche und Zaunlinien verändern die Bedeutung der Annäherung. Ein Pferd, das im offenen Raum entspannt bliebe, wird vielleicht angespannt, wenn dieselbe menschliche Annäherung an einem Ort mit weniger Ausgängen geschieht.
Das ist kein Ungehorsam. Es ist räumliches Bewusstsein.
Equine Notion bittet den Menschen, die Geometrie des Feldes zu deuten, bevor er den Charakter des Pferdes deutet. Viele sogenannte Persönlichkeitsprobleme sind zum Teil Ortsprobleme.
Worauf zu achten ist
Bemerke, ob sich die Reaktion des Pferdes je nach deinem Weg verändert. Bleibt das Pferd weicher, wenn du dich von der Seite näherst statt von vorn? Steigt die Anspannung, wenn du zwischen dem Pferd und der Herde stehst? Geht das Pferd nahe dem Tor früher weg als im offenen Feld?