Stille Zeit als Beziehungsstruktur
Eine Beziehung zu einem Pferd baut sich oft um Handlungen auf: Füttern, Putzen, Reiten, Ausbildung, Hufpflege, Kontrollieren, Bewegen, Behandeln, Einfangen. Diese Handlungen mögen notwendig sein, doch wenn sie der einzige Zusammenhang sind, in dem das Pferd dem Menschen begegnet, wird der Mensch mit Unterbrechung verbunden.
Stille Zeit schafft eine andere Struktur. Sie erlaubt dem Pferd, den Menschen ohne eine daran geknüpfte Forderung zu erleben.
Wiederholung ohne Absicht
Ein stiller Besuch mag angenehm sein. Wiederholte stille Besuche werden zu Information. Das Pferd lernt, dass der Mensch ankommen kann, ohne sofort zu fordern, zu berühren, zu korrigieren oder wegzuführen. Das macht den Menschen nicht bedeutungslos. Es macht ihn auf eine andere Weise vorhersehbar.
Für manche Pferde ist dies die erste Bedingung, unter der Annäherung freiwillig wird. Für andere erlaubt sie, dass Ruhen, Grasen oder soziales Verhalten in menschlicher Anwesenheit wieder aufgenommen wird. Das sind keine spektakulären Ereignisse. Es sind Zeichen dafür, dass der Mensch weniger störend geworden ist.
Warum stille Zeit keine Faulheit ist
Mit Aufmerksamkeit nichts zu tun ist schwierig. Es verlangt vom Menschen, nicht jeden Moment in einen Beweis von Fortschritt zu verwandeln. Es verlangt, das Leben des Pferdes wahrzunehmen, ohne Besitz darüber zu beanspruchen. Es verlangt Geduld, wenn nichts Dramatisches geschieht.
Das ist aktive Beobachtung, nicht Abwesenheit.
Equine Notion schätzt stille Zeit, weil sie zeigt, was übrig bleibt, wenn menschlicher Druck entfernt wird. Die Entscheidungen des Pferdes werden leichter erkennbar. Die Gewohnheiten des Menschen werden leichter bemerkbar. Die Beziehung wird weniger abhängig von Leistung.
Worauf man während der stillen Zeit achten sollte
Achte darauf, wie rasch gewöhnliches Verhalten nach deiner Ankunft zurückkehrt. Achte darauf, welche Pferde dich in ihre Wahrnehmung einbeziehen und welche dich übergehen. Achte darauf, ob deine Position die Bewegung der Herde verändert. Achte darauf, ob ein Pferd über Tage hinweg näher zu ruhen wählt. Achte darauf, ob die Neugier zunimmt, wenn nichts von ihr verlangt wird.