Das Pferd deuten, das dich deutet
Menschen fragen oft, wie man ein Pferd deutet. Eine unbequemere Frage ist: Wie deutet das Pferd dich?
Jede Begegnung ist wechselseitige Wahrnehmung. Das Pferd ist nicht bloß ein Gegenstand menschlicher Beobachtung. Es beobachtet den Menschen zugleich: Haltung, Anspannung, Richtung, Tempo, Atmung, Blick, Gefühlslage und die Übereinstimmung zwischen Worten und Körper.
Equine Notion behandelt die Reaktion des Pferdes als Spiegel, nicht in einem vagen spirituellen Sinn, sondern in einem praktischen, verhaltensbezogenen.
Dein Körper kommt vor deiner Absicht an
Ein Mensch denkt vielleicht: „Ich will doch nur Hallo sagen.“ Das Pferd sieht womöglich nach vorn gerichtete Schultern, fixierte Augen, eine direkte Linie, schnelle Schritte, angehaltenen Atem oder eine Hand, die sich bereits zum Berühren bereitmacht. Die Absicht des Menschen mag freundlich sein, doch der Körper mag nachdrücklicher sein als die Absicht.
Das Pferd reagiert auf den Körper, der ankommt, nicht auf die Erklärung im Kopf des Menschen.
Deshalb sind manche Besitzer überrascht, wenn ein Pferd ihnen ausweicht, obwohl sie es „gut meinen“. Es gut zu meinen ist wertvoll, doch es ist nicht die ganze Botschaft. Das Pferd deutet, was sichtbar ist.
Das Pferd gibt Rückmeldung vor der Berührung
Wendet sich das Pferd leicht ab, wenn Sie ihm direkt gegenüberstehen, ist das eine Rückmeldung. Wird es weicher, wenn Sie sich seitlich stellen, ist das eine Rückmeldung. Frisst es weiter, wenn Sie langsamer werden, hebt aber den Kopf, wenn Sie schneller werden, ist das eine Rückmeldung. Nähert es sich einer Person und einer anderen nicht, muss der Unterschied kein Rätsel sein; er kann in Haltung, Rhythmus, Druck, Erwartung oder Geschichte liegen.
Es geht nicht darum, dem Menschen die Schuld zu geben. Es geht darum, auf eine bessere Weise lesbar zu werden.
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