Vertrauen wird erworben, nicht antrainiert
Über Vertrauen wird oft gesprochen, als wäre es ein Ergebnis des Trainings. Mache die richtigen Übungen, wiederhole die richtige Methode, und das Pferd wird vertrauen. Doch das Vertrauen eines Pferdes wird nicht wie ein Verhalten installiert. Es wird durch Belege erworben.
Das Pferd beobachtet den Menschen über die Zeit. Das Pferd erlebt, ob die Person berechenbar ist, ob Grenzen gehört werden, ob Druck ohne Vorwarnung eintrifft, ob auf bestimmte Abläufe Schmerz oder Angst folgt, ob die Person klarer oder lauter wird, wenn Unsicherheit auftritt.
Vertrauen ist die Schlussfolgerung des Pferdes.
Vertrauen ist nicht dasselbe wie Fügsamkeit
Ein fügsames Pferd mag etwas ausführen, während es angespannt ist. Ein vertrauendes Pferd kann geistig anwesend bleiben. Das sind verschiedene Zustände.
Fügsamkeit kann durch Druck, Gewohnheit, Erschöpfung oder begrenzte Möglichkeiten erzeugt werden. Vertrauen verlangt, dass das Pferd den Menschen innerhalb der Lage als verlässlich sicher erlebt. Ein Pferd mag einem Signal gehorchen, ohne der Person zu vertrauen, die es gibt. Ein Pferd mag einer Person auf dem Feld vertrauen, aber nicht im Anhänger, im Pflegebereich oder in der Nähe eines Tierarztes. Vertrauen ist erst spezifisch, bevor es allgemein wird.
Diese Spezifität ist keine Schwäche. Sie ist ein Beleg dafür, dass das Pferd im Kontext denkt.
Was Vertrauen erwirbt
Vertrauen wächst durch kleine, wiederholte Bestätigungen. Der Mensch nähert sich in einem Tempo, das das Pferd verarbeiten kann. Die Hand hält an, wenn das Pferd sich anspannt. Der Besitzer kommt Tag für Tag mit derselben emotionalen Temperatur. Notwendige Pflege geschieht klar, nicht chaotisch. Grenzen werden wahrgenommen, bevor sie gefährlich werden. Das Pferd kann in gewöhnlichen Augenblicken gehen, ohne dafür bestraft zu werden, dass es sich mitteilt.
Keine einzelne Handlung beweist Vertrauen. Die Wiederholung tut es.
Deshalb kehrt durch Unbeständigkeit beschädigtes Vertrauen nur langsam zurück. Das Pferd „hegt keinen Groll“ im menschlichen moralischen Sinne. Das Pferd aktualisiert das Risiko anhand der Erinnerung.