Wenn dein Körper deinen Worten widerspricht
Menschen versuchen oft, Pferde mit Worten zu beruhigen. „Ist ja gut.“ „Braves Mädchen.“ „Ruhig.“ „Entspann dich.“ Die Stimme mag sanft sein, doch der Körper sagt vielleicht etwas anderes: angespannte Schultern, angehaltener Atem, starre Augen, schnelle Schritte, eine Hand, die schon greift, ein Geist, der bereits Ärger erwartet.
Ein Pferd muss den Satz nicht verstehen, um den Widerspruch zu deuten.
Kommunikation über mehrere Kanäle
Pferde nehmen Haltung, Bewegung, Atmung, Anspannung, Aufmerksamkeit und Stimmqualität wahr. Diese Kanäle treffen gemeinsam ein. Sagt die Stimme Ruhe, doch der Körper sagt Alarm, reagiert das Pferd vielleicht auf den Körper. Das ist keine Sturheit. Es ist sinnvolle Wahrnehmung.
Bei einem Herdentier ist Körperinformation bedeutsam. Bewegung kündigt Absicht an. Anspannung kündigt Veränderung an. Richtung kündigt Druck an. Der Körper verkündet den Menschen oft, bevor die Worte vollendet sind.
Das Problem verbaler Beruhigung
Verbale Beruhigung kann zur Tarnung menschlicher Angst werden. Der Mensch redet weiter, weil das Pferd ungewiss ist, doch das Reden trägt Geschwindigkeit und Anspannung. Die Worte werden zu Lärm, der an Druck geknüpft ist.
Equine Notion lehnt die Stimme nicht ab. Es fragt, ob die Stimme vom übrigen Menschen gestützt wird. Eine ruhige Stimme ist nützlich, wenn der Körper ebenfalls lesbar, langsam genug und ehrlich ist.
Worauf zu achten ist
Bemerke, ob das Pferd sich entspannt, wenn du sprichst, oder ob der Körper wachsamer wird. Bemerke, ob sich deine Atmung vor schwierigen Begegnungen verändert. Bemerke, ob deine Hand sich zu bewegen beginnt, während deine Stimme noch beruhigt. Bemerke, ob du mehr redest, wenn du weniger sicher bist.
Das Pferd zeigt dir vielleicht deine eigene Widersprüchlichkeit.