Wer kontrolliert das Futter?
Fütterung wird oft in Mengen besprochen: Kilogramm, Kalorien, Zucker, Mineralstoffe, Fasern, Mahlzeiten pro Tag. Das ist von Bedeutung. Doch Pferde erleben Fütterung nicht nur als Ernährung. Sie erleben sie als Zugang, Zeitpunkt, Konkurrenz, Vorhersehbarkeit und Kontrolle.
Die Frage „Wer kontrolliert das Futter?“ erklärt vielleicht mehr Verhalten als die Frage „Wie oft wird das Pferd gefüttert?“
In der Gruppe wird Futter zu einem sozialen und emotionalen Ereignis. Wenn Zugang nach menschlichem Zeitplan erscheint und verschwindet, mögen Pferde warten, bewachen, drängen, verdrängen oder konkurrieren. Mehr Fütterungsmomente schaffen nicht von selbst mehr Ruhe, wenn das Pferd zwischen ihnen weiterhin Ungewissheit erlebt.
Futter, das erscheint, ist nicht dasselbe wie Futter, das verfügbar ist
Ein System kann Futter viele Male am Tag liefern und Pferde dennoch warten lassen. Aus menschlicher Sicht wirkt der Zeitplan großzügig. Aus Sicht des Pferdes mag der Zugang dennoch unterbrochen und von außen kontrolliert bleiben.
Dieser Unterschied zählt.
Pferde haben sich um lange Phasen des Fressens herum entwickelt. Körper und Geist sind nicht auf intensives Warten gefolgt von kurzem Zugang ausgelegt. Wenn Futter zu einem von außen kontrollierten Ereignis wird, kann sich das Feld aufladen, bevor das Futter eintrifft, und konkurrenzbetont werden, wenn es erscheint.
Die emotionalen Kosten des Wartens
Warten ist keine leere Zeit. Ein Pferd, das auf Futter wartet, mag menschliche Abläufe beobachten, seine Position bewachen, das Eintreffen erwarten, rangniedrigere Pferde verdrängen oder unruhig werden. Diese Verhaltensweisen werden oft als Charakterprobleme gedeutet.
Doch das Verhalten mag im System selbst angelegt sein.
Schafft der Mensch Momente der Knappheit, mag das Pferd der Logik der Knappheit folgen. Schafft die Umgebung Beständigkeit, braucht das Pferd womöglich nicht dieselbe Intensität der Verteidigung.