Warum Warten keine Schwäche ist
In vielen Pferdeumgebungen gilt Warten als Mangel an Können. Der kompetente Mensch handelt. Der selbstsichere Mensch entscheidet. Der wirkungsvolle Mensch erzielt ein Ergebnis. Warten wirkt passiv, zögerlich oder sentimental.
Bei Pferden kann diese Annahme teuer sein. Warten ist oft die einzige Möglichkeit zu erkennen, ob das Pferd willig, ungewiss, neugierig, resigniert, ausweichend oder einfach nicht bereit ist.
Equine Notion behandelt Warten nicht als Schwäche. Es behandelt Warten als Methode.
Warten trennt Wahl von Fügsamkeit
Ein Pferd, das unter Druck sofort reagiert, mag gehorsam sein, doch Gehorsam ist nicht dasselbe wie Wahl. Ein Pferd, das ohne Druck Zeit zum Reagieren hat, kann eine andere Qualität der Teilnahme zeigen.
Dieser Unterschied ist bedeutsam. Wendet sich das Pferd nach einer Pause dem Menschen zu, gehört diese Pause dem Pferd. Kommt das Pferd erst nach wiederholtem Rufen näher, mag die Bewegung eher zur menschlichen Aufforderung gehören als zur eigenen Initiative des Pferdes. Beides kann im praktischen Umgang nützlich sein, doch es bedeutet nicht dasselbe.
Warten lässt den Besitzer erkennen, welche Art von Bewegung vorliegt.
Die Information im Zögern
Zögern wird oft als Sturheit fehlgedeutet. Manchmal ist es einfach Bedenkzeit. Ein Pferd vergleicht vielleicht die Haltung des Menschen mit früheren Erfahrungen, prüft die Herde, lauscht einem Geräusch, beurteilt den Untergrund oder entscheidet, ob Kontakt sicher ist.
Füllt der Mensch jedes Zögern mit stärkeren Signalen, lässt sich das Zögern nicht deuten. Das Pferd lernt, dass Ungewissheit nicht sprechen darf. Der Mensch erfährt nur, wie viel Druck Bewegung erzeugt.
Das ist eine sehr enge Erziehung.
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